Zwischen den Spuren #1307
Peter Schmitz
Zwischen den Spuren, Acryl auf Leinwand, 100 × 100 cm
Es gibt Bilder, die von dem leben, was sie zeigen. Und es gibt Bilder, die von dem leben, was sie auslassen. Zwischen den Spuren gehört zu jenen Arbeiten, deren Kraft gerade aus der Reduktion entsteht.
Der Körper des Tieres ist nicht naturgetreu beschrieben. Er ist Erinnerung, Geste und Farbe zugleich. Das leuchtende Orange trägt Wärme, Energie und Leben. Das tiefe Blau von Kopf und Brust wirkt dagegen wie ein Schatten. Zwischen diesen Polen entsteht eine starke innere Spannung.
Nichts an diesem Tiger wirkt dekorativ. Er erscheint nicht als König der Wildnis, sondern wie eine uralte Figur am Rand unseres Bewusstseins – aufmerksam, gesammelt und unabhängig von unserem Blick.
Die Malerei bleibt bewusst offen. Linien brechen ab, Flächen verlaufen ineinander, der Hintergrund löst sich in schnellen Pinselbewegungen auf. Dadurch gewinnt das Tier eine eigentümliche Lebendigkeit. Es scheint nicht gemalt zu sein, sondern aus der Farbe selbst hervorzutreten.
Die scheinbare Einfachheit der Form besitzt etwas Archaisches und Zeichnerisches. Dahinter steht ein feines Gespür für Komposition. Jede Farbfläche trägt zum Ganzen bei, jede Leerstelle spricht mit.
Der Tiger wird so zu mehr als einem Tier. Er erscheint als Sinnbild einer ursprünglichen Gegenwart – eines Daseins, das keinen Kommentar benötigt. Er ist einfach.
Vielleicht liegt genau darin die Qualität dieses Bildes. In einer Zeit, in der Bilder laut um Aufmerksamkeit werben, malt Peter Schmitz keine Sensation, sondern eine Begegnung. Erst betrachtet man den Tiger. Dann entsteht der Eindruck, dass der Tiger längst den Betrachter in seinen ruhigen, unbeirrbaren Blick aufgenommen hat.Das Bild bleibt im Gedächtnis – nicht wegen seiner Lautstärke, sondern wegen seiner stillen Selbstverständlichkeit.
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