Am Rand der Bewegung #1302
Peter Schmitz
Am Rand der Bewegung, Acryl auf Leinwand, 100 × 100 cm
Es gibt Bilder, in denen ein Tier erscheint. Und es gibt Bilder, in denen das Tier erst im Sehen des Betrachters entsteht. Am Rand der Bewegung gehört zu dieser zweiten Art. Der Tiger ist erkennbar – und bleibt doch in Auflösung begriffen.
Sein Körper scheint sich aus der Fläche herauszuschieben und zugleich wieder in sie zurückzusinken. Linien, Farbfelder und Pinselspuren überlagern einander, als wäre die Gestalt nur für einen Augenblick festgehalten. Selbst die Konturen beginnen dort, wo sie deutlich werden, bereits wieder zu verschwimmen.
Die kühlen Blau- und Grautöne stehen in starkem Gegensatz zu roten und orangefarbenen Spuren. Sie wirken wie innere Impulse, die den Körper in Bewegung versetzen. Das Rot an Zähnen und Pfoten erscheint weniger aggressiv als vielmehr wie ein Rest von Energie unter der scheinbaren Ruhe.
Der Blick des Tigers richtet sich nicht unmittelbar auf den Betrachter. Dadurch entsteht eine eigentümliche Distanz. Er scheint einer Welt anzugehören, die neben unserer existiert und sich unserem Zugriff entzieht. Er bleibt bei sich.
Peter Schmitz malt den Tiger nicht aus sicherer Entfernung. Linien schneiden durch den Körper, Farben lösen ihn auf und setzen ihn zugleich wieder zusammen. Je stärker sich die Fläche bewegt, desto unbeirrbarer erscheint die Gestalt.
Alles bewegt sich – nur die Präsenz des Tieres bleibt.
Wildheit zeigt sich hier nicht als Angriff oder Gefahr, sondern als Freiheit von Erklärung. Der Tiger muss nichts darstellen und nichts beweisen. Er ist einfach da.
Zwischen Farbschichten, Brüchen und offenen Linien bleibt eine Gestalt bestehen, die sich nicht vollständig festhalten lässt – und gerade deshalb lebendig bleibt.
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