Der Blick bleibt #1303
Peter Schmitz
Der Blick bleibt, Acryl auf Leinwand, 100 × 100 cm
Es gibt Bilder, die einen Blick zeigen. Und es gibt Bilder, die den Betrachter selbst in diesen Blick hineinziehen. Der Blick bleibt gehört zu dieser zweiten Art.
Der Tiger begegnet uns frontal. Sein Gesicht füllt beinahe die gesamte Fläche aus. Es gibt keinen sicheren Abstand, keine Landschaft, keinen Raum zum Ausweichen. Nur dieses Gesicht – und zwei Augen, die unterschiedlicher kaum sein könnten und sich doch zu einer einzigen Präsenz verbinden.
Das eine Auge wirkt ruhig und gesammelt, das andere bewegter, beinahe suchend. Zwischen beiden entsteht eine Spannung, die das gesamte Bild trägt.
Auch die Farben verweigern eine eindeutige Ordnung. Gelb, Ocker, Rot, Blau und Grün greifen ineinander und lassen den Tiger zugleich entstehen und wieder verschwimmen. Besonders im Bereich von Maul und Nase verdichten sich schwarze und rote Linien zu körperlicher Energie. Die sichtbaren Zähne wirken dabei nicht wie eine Drohung. Der Tiger zeigt einfach, was zu ihm gehört.
Peter Schmitz interessiert nicht der Moment des Angriffs, sondern der Moment davor – jener Zustand höchster Aufmerksamkeit, in dem noch alles möglich ist. Die Spannung liegt im Nicht-Handeln.
Die offenen Pinselspuren machen den Entstehungsprozess sichtbar. Die Gestalt entsteht aus vielen Entscheidungen, die nicht verborgen werden. Dadurch bleibt der Tiger widersprüchlich: kraftvoll und verletzlich, ruhig und gespannt, vertraut und fremd.
Je länger man ihn betrachtet, desto mehr kehrt sich die Wahrnehmung um. Irgendwann entsteht der Eindruck: Man wird selbst angesehen.
Der Blick bleibt.
Nicht, weil er etwas fordert.
Sondern weil er nichts erklären muss.
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