Tiger im Zwischenraum #1310
Peter Schmitz
Tiger im Zwischenraum, Acryl auf Leinwand, 100 × 100 cm
Es gibt Bilder, die einen Raum darstellen. Und es gibt Bilder, in denen der Raum selbst zu einer offenen Frage wird. Tiger im Zwischenraum gehört zu diesen Arbeiten.
Der Tiger erscheint nicht in einer Landschaft, die ihn erklärt. Er befindet sich in einem Gefüge aus Linien, Flächen und Farbräumen, die sich überlagern und gegenseitig durchdringen. Der Raum bleibt offen. Der Tiger ist dazwischen – zwischen Linien, Farbflächen, Ordnung und Bewegung.
Sein leuchtendes Gelb und Orange tritt aus Blau und dunkleren Partien hervor. Die Farbe beschreibt den Körper nicht vollständig. Sie lässt ihn entstehen und löst ihn zugleich wieder auf. Dadurch wirkt der Tiger nicht wie eine abgeschlossene Figur, sondern wie etwas, das sich im Augenblick seiner Erscheinung noch verändert.
Die schwarzen Linien geben dem Bild Halt, ohne den Raum festzulegen. Sie schaffen Ordnung, aber keine Grenzen. Der Tiger bleibt darin sichtbar und überschreitet sie zugleich.
Peter Schmitz malt keinen Tiger als Symbol der Wildnis. Er malt eine Bewegung innerhalb eines offenen Raumes. Das Tier wird zum Träger dieser Bewegung, scheint aus der Farbe hervorzukommen und sich ihr zugleich wieder zu entziehen.
Der Zwischenraum wird damit zu einem Zustand: Etwas ist noch nicht ganz hier und doch bereits sichtbar. Die Malerei hält diesen Moment fest, ohne ihn endgültig zu bestimmen.
Vielleicht liegt darin die eigentliche Qualität dieser Arbeit. Der Tiger ist im Bild und zugleich zwischen dem Bild. Er führt den Blick durch die verschiedenen Ebenen und öffnet immer wieder neue Räume.
Der Zwischenraum ist keine Leere.
Er ist die Möglichkeit, in der etwas sichtbar wird.
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